Generalsanierung Stiftskirche, Backnang

Die Generalsanierung der auf dem Burgberg über der Altstadt thronenden, weithin sichtbaren Stiftskirche in Backnang umfasste sämtliche Bauteile des komplexen Gebäudes - von den beiden übereinanderliegenden Sakristeien über die Gruft der ersten badischen Markgrafen, den spätgotischen Chor mit seinem Sterngewölbe bis zum düsteren Hauptschiff aus der Renaissance mit den umlaufenden, doppelstöckigen Emporen aus den fünfziger Jahren. Als wichtiger Veranstaltungsort und Konzertkirche waren neben denkmalpflegerischen und historischen Belangen auch Anforderungen des Brandschutz und der Benutzbarkeit im Sinne einer überregional wichtigen Versammlungsstätte zu berücksichtigen, und das alles bei schmalen Budgetvorgaben und einer Bauzeit, die in die Corona-Pandemie fiel.

Das immense Raumvolumen wurde restauratorisch überarbeitet und von zahlreichen baulichen „Zutaten" befreit, darunter auch die zweite, aufgrund der geltenden Fluchtwege-Bestimmungen ohnehin gesperrte Emporenebene, die sorgsam abgebaut, katalogisiert und eingelagert wurde. Dadurch und durch eine durchgängig freundlichere Farb- und Materialwahl konnte ein deutlich hellerer Kirchenraum gewonnen werden.
Nahezu unsichtbar im Boden rund um den Altar eingelassene Scherenpodeste ermöglichen vielfältige Aufführungs-Szenarien, ein ebenfalls kaum sichtbarer Lastenaufzug macht den unter dem Hochchor liegenden Keller zum Stauraum für weitere Podeste und Gerätschaften. Im Zuge der parallel zu den Bauarbeiten vorgenommenen Erkundungen und Befundungen konnten die in den romanischen Turmstümpfen verborgene Apsiden wieder zugänglich gemacht und nunmehr als Andachtsraum genutzt werden.

Die Neuordnung des Eingangsbereichs am der Stadt zugewandten Hauptportal verhalf zu dringend benötigten Technik- und Lagerräumen, einem Eltern-Kind-Bereich und einer Toilette samt neuem, platzsparenden Emporenaufgang, ohne die vertraute Silhouette der Westwand zu stören. Im Zuge eines ausgeklügelten Lichtkonzepts wurde auch die gesamte Ausstattung des Kirchenraums einer grundlegenden Neuordnung unterzogen. Am deutlichsten wird dies an den im Rahmen eines Künstlerwettbewerbs gewonnenen beweglichen Prinzipalstücken aus Stahl, die in der kubischen Kanzel samt gefalteter Treppe, ebenfalls aus Stahl, ihre Entsprechung im Kirchenschiff finden.

Ziel war es, einen bei aller bauzeitlichen Unterschiedlichkeit homogen wirkenden, ruhigen Kirchenraum zu schaffen, der seine Multifunktionalität durch eine weitgehend verborgene Technik in den Dienst des sakralen Gesamteindrucks stellt. Die Wiedergewonnene Schönheit der einzelnen Räume - von der Krypta bis zur Sakristei, von der Raumschale bis zum Gestühl - führt den Besuchern die lange Tradition der Stiftskirche eindrücklich vor Augen, ohne die Verankerung im Hier und Jetzt zu leugnen.

Ort

Backnang, Stiftshof

Bauherr

Ev. Stiftskirchengemeinde Backnang

Projektleitung

H. Baurmann

Bearbeitung

I. Schichel | C. Süßmann | A. Kittler | P. Bertlein

Bauleitung

M. Seemann

Fachberater

lighting architects

Planung

2014-2019

Realisierung

2019-2021

Fotos

S. Wameser

Außenanlagen

SETUP Landschaftsarchitektur

Leistungsphasen

1-8

Bruttobaukosten

4.600.000 €

Auszeichnungen

2. Rang Mehrfachbeauftragung

Publikationen

Backnanger Kreiszeitung 25.05.2021

Sakralräume, S. 14, München 2025